Konstruktivismus (WATIN)

Hat sich nicht jeder von uns schon mal gefragt, was wäre,wenn wir die Welt „falsch“ wahrnehmen?

Wenn das, was ich als Tisch wahrnehme mir nur als solcher vorgegaukelt wird?

Wenn alles, was wir als Individuum kennen, wissen und wertschätzen nur eine Interpretation unseres Gehirns wäre, eine Art verzerrtes Spiegelbild der „Wahrheit“.

Mit dieser Frage beschäftigt sich „der“ Konstruktivismus. Es gibt nicht den einen Konstruktivismus, einen fest auf etwas festgelegten Konstruktivismus, im Gegenteil, es gibt verschiedene Arten des Selbigen, so zum Beispiel den radikalen Konstruktivismus, den interaktionistischen Konstruktivismus und so weiter und so fort. Insgesamt kann man aber, wenn auch etwas ungenau, zusammenfassen: der Konstruktivismus nimmt Abschied von der absoluten Wirklichkeit. Je nach Bereich variieren die weiterführenden Gedanken, dieser Grundbaustein bleibt allerdings gleich.

Um diese Unterschiede einmal klar zu machen möchte ich kurz auf den Konstruktivismus in der Lernpsychologie und, im Vergleich, auf den radikalen Konstruktivismus eingehen.

Die Definition im genaueren Bezug auf die Lernpsychologie lautet so: „In der Theorie des Konstruktivismus ist Lernen ein aktiver Konstruktionsprozess, in dem jeder Lernende eine individuelle Repräsentation der Welt erschafft. Was genau ein Lernender lernt, hängt stark von seinem Vorwissen und der konkreten Lernsituation ab.“ Oder, um Galilei zu zitieren:„Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“

Doch was genau heißt das eigentlich im Kontext?

„Im Kontext von Lerntheorien bedeutet das, dass Wissen nicht von einer Person auf eine andere Person übertragen werden kann, sondern von jedem Menschen neu konstruiert wird. Wenn z.B. eine Lehrperson einem Schüler etwas erklärt, speichert der Schüler die Informationen nicht einfach ab, sondern konstruiert sich anhand der aufgenommenen Informationen sein persönliches, individuelles Abbild der Realität – abhängig von seinem Vorwissen, seinen Einstellungen und der aktuellen Lernsituation. Demzufolge ist Lernen kein passives Speichern, sondern ein aktives Konstruieren von Wissen.“(vgl. http://www.lernpsychologie.net/lerntheorien/konstruktivismus)

Ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht und mir ist folgendes aufgefallen:

Eigentlich kann man jedes Unterrichtsfach mit Ausnahme der Mathematik hinterfragen, da es laut dem Konstruktivismus nicht als „sicheres Wissen“ gilt. So besteht ja die Möglichkeit, dass es keinen „Gott“ an sich gibt, sondern unser Gehirn bloß die „Wahrheit“ in den Glauben an einen solchen umformt, ein Prozess, welcher von der jeweiligen Erziehung entweder unterstützt oder unterbrochen wird. Nehmen wir also an, dass ein Individuum in der „realen Welt“ ein „Wunder“ mit ansieht. Mit dem Unterschied, dass dieses Wunder nur für seinen Verstand als solches gilt, nicht notwendigerweise jedoch für die „reale Wirklichkeit“. So kann dieses „Wunder“ etwas völlig Normales sein, nur dass wir es nicht als solches Begreifen können.

Zu Anfang habe ich die Mathematik aus diesem Beispiel entnommen, mit folgendem Grund:

Die Mathematik ist ein fest definiertes, von Menschen als solches erdachte Konstrukt, basierend auf reiner Logik, nicht wie alles andere auf äußeren Einflüssen. Als solches muss Mathematik nun immer, überall wahr sein, egal ob in unserer Wahrnehmung der Welt oder der „realen Welt“.

Aber genug davon. Gehen wir über zu den Ideen des radikalen Konstruktivismus.

Zu Anfang muss klar sein, dass der radikale Konstruktivismus KEINE Lerntheorie ist, da selbiger oftmals fälschlicherweise als solche bezeichnet wird. Der radikale Konstruktivismus ist nämlich an sich eine Erkenntnistheorie und beschäftigt sich als solche nicht damit, wie wir Wissen vom Einen zum Anderen übertragen und in uns verfestigen sondern mit der Idee einer Welt und damit, wie ein Individuum diese Welt erkennen kann wie sie ist, oder besser NICHT so wie sie ist, sondern so wie das Individuum es kann. Vereinfacht geht es um das Erkennen von Zusammenhängen, von logischen Beziehungen und der„Wahrheit“.

Um den Unterschied einmal in einem Beispiel zu verdeutlichen:

Stellen Sie sich einen Philosophen vor. Selbiger denkt überein Thema nach, vermutlich darüber wie die Welt entstanden ist, währen er auf einem Felsen oder Berg sitzt und dafür von den Bewohnern des nahen Dorfes für verrückt erklärt wird. Jedenfalls denkt er über diese Frage nach, er benutzt Logik um sich das Problem zu erklären und lernt nichts, nicht in diesem Moment und genau das ist der Unterschied, die Benutzung von Logik anstatt das Lernen eines Sachverhalts.

Zum Abschluss möchte ich einmal auf Schwächen in Wissenschaften eingehen, welche durch den Konstruktivismus als ungenau oder falsch „entlarvt“ werden.

Nehmen wir hierzu das vom Physiker Werner Schrödinger aufgestellte Gedankenexperiment, welches als „Schrödingers Katze“ Berühmtheit erlangte.

Nehmen wir an, wir setzen eine Katze in eine luftdichte Kiste und verschließen dies so, dass niemand von außen hineinsehen kann. Ist die Katze dann lebendig oder tot? Unser Versand sagt uns, dass die Katze tot ist, doch Schrödinger fügte etwas hinzu. Die Katze ist weder lebendig noch tot,solange niemand die Kiste öffnet und hineinsieht.

Dieses Problem gibt es in vielen Wissenschaften, sie beruhen auf Dingen, welche ein Beobachter sehen muss, und damit davon, was dieser sehen kann oder will. Selbiges macht sie also ungenau.

Denken sie darüber nach.