Über Meinungen und Tagebücher (LEINA)

Liebes Tagebuch…

Ich würde behaupten, dass schon mindestens die Hälfte von uns einmal so angefangen hat ihre Gefühle oder Ereignisse des Tages auf ein Blatt Papier zu schreiben. Selbst wenn man einfach ohne die klischeehafte Überschrift drauf losschreibt, bleibt es das Gleiche: Wir nehmen uns Zeit zu reflektieren. Aber nicht nur das ist meiner Meinung nach das, was die Menschen dazu bewegt ihre Geheimnisse und Gefühle aufzuschreiben. Ich glaube der Gedanke, dass eine andere Person diese liest reizt uns. Vielleicht nicht während unserer Lebzeit, wenn man sich täglich in die Augen schaut, aber danach sollen unsere Mitmenschen über unser spannendes Leben Bescheid wissen. Wenn man mich fragt, ist es der Drang von anderen so gesehen zu werden, wie wir uns selbst sehen. Eine Frage, die sich mir stellt: Warum können wir nicht einfach von Angesicht zu Angesicht immer ehrlich sein? Wäre es so nicht viel leichter? Es ist die Angst vor der Reaktion der Mitmenschen, Angst vor unserem eigenen Schamgefühl, die uns davon abhält. Die „öffentliche Meinung“ ist uns heutzutage noch genau so wichtig wie vor 100 Jahren: Erfüllen wir die Wertevorstellungen anderer? Doch da es niemand allen recht machen kann bleiben wir lieber alleine mit einem Blatt Papier und einem Stift.