Watzlawik (LANIA)

Ich sitze an meinem Platz in der zweiten Reihe ganz links und schaue an die Tafel. Gesagt habe ich diese Stunde noch nichts, kommuniziert schon. In meinem Gesicht ist zwar ein freundliches Lächeln, das signalisiert, dass ich total motiviert bin und angeregt zuhöre, doch meine Körperhaltung zeigt, dass ich wohl lieber zuhause wäre, als zu errechnen, wie groß eine Hopfenpflanze wird. Neutral sein geht nicht, man kann nicht nichts kommunizieren. Egal wie sehr ich versuche meine Aussenwelt auszublenden und ganz neutral und unwirksam dazusitzen, ich kommuniziere Langeweile. Warum? Die Ursache scheint wohl der Mathematikunterricht zu sein, die Wirkung mein gebeugter Rücken und die halb geschlossenen Augen. Welchen Inhalt Herr Schnuck da vorne gerade vorträgt interessiert mich nicht, ich habe ja auch so gar nichts mit ihm zu tun. Wäre er mein Vater würde ich vielleicht aufmerksamer zuhören, der Inhalt wäre dann auch nicht so wichtig. Ich denke an meine mündliche Note und beschließe von meiner analogen Kommunikation zur digitalen zu wechseln und einen Wortbeitrag zu leisten. Mir ist schon bewusst, dass Herr Schnuck und ich nicht auf derselben Ebene sind. Mein Beitrag wäre höchstens eine Ergänzung zu seinem Vortrag, meine Kommunikation komplementär, aber nicht symmetrisch.