4-Ohren-Modell (PORIE)

Beim Sprechen werden Botschaften vom Sender kodiert und müssen vom Empfänger dekodiert werden. Meistens geht das gut, aber es kann auch schiefgehen. Jede Nachricht hat nach Schulz von Thun vier Ebenen (Sachebene – worüber ich spreche, Selbstkundgabe – Aussage über mich, Beziehungsebene – Aussage über das Verhältnis von Sender und Empfänger sowie Appellseite – der Empfänger soll zum Handeln veranlasst werden). Die Aussage „Das Ei ist hart“ im gleichnamigen Sketch von Loriot kann also neben der Sachaussage über den Zustand des Eis auch über die Präferenzen des Ehemanns („Ich mag es so nicht!“) oder deren Beziehung („Du sollst das Ei so kochen wie ich es mag!“) hinaus eine Aufforderung („Koch mir ein Neues!“) sein. Es ist am Empfänger das herauszufinden. Und was sagt Berta? Zunächst schweigt sie – und als der Mann lauter wird antwortet sie: „Ich habe es gehört.“ Sie verweigert das Gespräch.

Donald Trump (PORIE)

Donald Trump sagt, Rex Tillerson sei dumm wie ein Stein. Der Sachaspekt dieser Kommunikation scheint irgendwie unwichtig zu sein: es ist sehr unwahrscheinlich, dass das so ist. Der Beziehungsaspekt kann im Verhältnis zu Herrn Tillerson auch keine Rolle spielen, er spricht ja über, nicht mit ihm. Es geht um die Beziehung mit seinen Unterstützern. Durch die Herabwürdigung anderer macht sich Donald Trump groß. Das möchte er seinen Unterstützern mitteilen: Ich bin der Größte, ich kann feuern und beleidigen, wenn ich will. Ich kann meine Wut ausleben. Gustave le Bon hätte seine Freude daran gehabt. Er appelliert an die Wut der Menschen und an ihren – möglicherweise unbewussten – Wunsch, diese Wut auch an anderen auslassen zu dürfen. Sie werden von ihm manipuliert, denn ihre Interessen vertritt er nicht.

Werbung und Massenpsychologie (PORIE)

Schokoriegelchen und Milchgläschen saßen schon zusammen in der Sandkiste. Es ist klar, dass es eine Liebesgeschichte geben wird. „my girl“ von „The temptations“ unterlegt das Ganze musikalisch. Natürlich kommen Riegelchen und Milchgläschen am Ende zusammen, auch wenn es zwischendurch nicht so aussah. Was das mit Schokolade zu tun hat? Einlullende Musik, Figuren, die dem Kindchenschema entsprechen, eine rührende Liebesgeschichte und schon kaufen wir den Kinderriegel. Unsere Kaufentscheidung hat nichts mit der Qualität der Schokolade zu tun, sondern mit den Emotionen, die die Werbung in uns weckt. Das ist die Botschaft von Gustave le Bon: Menschliche Handlungen sind in hohem Maße nicht von Rationalität, sondern von unbewussten Impulsen geprägt. Deswegen sind wir so leicht manipulierbar.

Einfluss der Digitalisierung auf die Kommunikation (PORIE)

Watzlawick goes digital. Kommunikation wird durch Digitalisierung schneller und intensiver. Und sie verändert sich: Nonverbale Kommunikation, die nach Albert Mehrabian 93% der Kommunikation ausmacht, wird durch Emoticons ersetzt und schnelle Reaktionen werden erwartet. So ist die Gefahr von Missverständnissen und Fehlinterpretationen groß. Damit aber nicht genug: Zuweilen kommunizieren wir gar nicht mit Menschen, sondern mit Social Bots, die menschliches Verhalten imitieren, Accounts öffnen, Freunde suchen und „Stimmung machen“. Sie können politische Meinungen, aber auch z. B. das Kaufverhalten manipulieren. Die Effekte sind kaum zu quantifizieren, sind aber gerade bei knappen Wahlergebnissen (Brexit, US-Wahl 2016) möglicherweise ausschlaggebend. Um das zu vermeiden, liegt es an jedem, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, ohne sich irreführen zu lassen.

Watzlawick (PORIE)

Dialog zwischen Marie (M) und ihrem Vater (V) am Sonntagabend.

M: Ich muss schon wieder einen Beitrag für Seminar schreiben. (1)
V: (schweigt) (2)
M: Hilfst Du mir dabei?
V: Was ist das Thema?
M: Watzlawick.
V: Watzlawick ist kein Thema!
M: Doch.
V: (verschränkt die Arme) (3)„Watzlawick“ kann kein sinnvolles Thema sein!! (4)
M: Hat Herr Grigat aber so gesagt (verkürzt für: „doch“) (5)

(1) Inhaltsaspekt: offene Hausaufgabe. Beziehungsaspekt: Hilf mir bei der Hausaufgabe!
(2) 1. Watzlawick’sches Axiom (WA): Man kann nicht nicht kommunizieren. V signalisiert nonverbal Ablehnung.
(3) 4. WA: Es gibt digitale und analoge Kommunikation. Klarer Fall von analog.
(4) 5. WA: Es gibt symmetrische und komplementäre Kommunikation. Hier haben wir ein Beispiel von komplementärer Kommunikation.
(5) Hier bahnt sich das 3. WA an: Die Natur der Beziehung ist durch die Interpunktion der Parteien bestimmt. Das Ganze bewegt sich im Kreis.

Konstruktivismus (PORIE)

Donald Trump hat behauptet, bei seiner Inauguration seien mehr Menschen anwesend gewesen als je zuvor. Ein Vergleich der Fotos mit früheren Einführungen von Präsidenten, insbesondere von Barak Obama, scheint für die meisten Menschen zu zeigen, dass das nicht der Fall war. In der Wahrnehmungswelt von Donald Trump ist es jedoch so gewesen: Er hat die Realität anders wahrgenommen als andere. Er hat sie sich „konstruiert“. In unserer Innenwelt konstruieren wir, was wir bewusst und unbewusst wahrnehmen zu einer für uns gültigen Wahrheit. Einen identischen äußeren Reiz nimmt demnach jeder so wahr, wie er für ihn wahr ist. Ob es jenseits dieser individuell konstruierten Wahrheiten eine Realität an sich gibt, bleibt offen. Das ist radikaler Konstruktivismus.

PORIE

Kommunikation

Spekulationen und Gerüchte gab es schon immer, doch sie zu verbreiten, ist durch Soziale Medien viel einfacher geworden. Es entstehen verzerrte Wahrnehmungen der Realität und ganze Gesellschaften können durch wenige Klicks fast beliebig manipuliert werden. Es heißt also wachsam sein und Abschied nehmen von der Utopie einer globalen elektronischen Demokratie. Wir müssen den elektronischen Populismus und seine postfaktische Propaganda verstehen, um nicht zum willenlosen Opfer seiner manipulativen Kraft zu werden.